Game Changers spielen nicht nur Social Media

Erster Eindruck von der next10

12. Mai 2010, knapp vor 1 Uhr. Der erste Tag der next Conference 2010 neigt sich dem Ende zu. Letzte Teilnehmer netzwerken (“socializen” – und trinken) im ehemaligen Postdepot, der Station Berlin. Vor der Zufahrt in Luckenwalder Straße stauen sich die Mercedes-Taxis zur RAL1015-Kolonne. Eine guter Zeitpunkt für ein Tagesresümee.

next10 in der Station Berlin

Mit heuer in die deutsche Hauptstadt übersiedelt, läuft die next10 unter dem Mantra “Game Changers”. Heißt: gelobt seien jene, die die Spielregeln a) perfekt beherrschen – um sie b) mit Pfiff zu brechen. Also Akteure, die auf den blinden Flecken des Bestehenden Neues aufbauen, das der Zeit, der Kultur und den technischen Möglichkeiten besser gerecht wird. Kurz: Problemlöser.

11. Mai 2010, 9 Uhr. Rund 1600 BesucherInnen sind gemeldet. Rekord, wie SinnerSchrader-Gründer und Veranstalter Matthias Schrader eingangs ausführt. Die next10 behauptet von sich selbst, die größte und wichtigste Web-Konferenz in Europa zu sein. Fein.

Der Kongress tanzt bereits zum Start. Der University-of-Hertfordshire-Professor Peter Lovatt demonstriert angewandte Psychologie und kippt in die rhythmische Gymnastik. Am Ende weiß jeder im Saal, dass Probanden, die sich einige Minuten lang einen Professor vorstellen, im nachfolgenden Wissenstest besser abschneiden, als eine Vergleichsgruppe, die zuvor einen Hooligan imaginiert. (Welche der beiden Testgruppen beim Infight gewinnen würde, bleibt allerdings offen.)

MediaFuturist Gerd Leonhard bringt ins Spiel, was man sich von Konferenzen wie next10 erhofft: Begeisterung für die Sache. Für Social Media & Co und für den Wandel schlechthin. Gegen Protektionismus, gegen Abzocker (hier jüngster Evil-Kandidat: Apple).

Weniger euphorisch die Werber. Man merkt, sie haben von all’ den Hypes, die sie ihren Kunden in den letzten Jahren versprochen haben, längst die Nase voll. “It’s the end of Social Media as we know it”, postuliert Nico Lumma von Scholz & Friends. Und natürlich hat er Recht, weil alles “social” wird – was dann so selbstverständlich ist, wie die Farbe beim TV-Bild. Thomas Zervos, Jung von Matts Digital Direktor, destilliert “10 Minutes of Schweinkram” und lässt dabei die Sau raus. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. (Die Rechnung bekommt er via Twitter (#next10) präsentiert – Ferkelquäler, pfui!) Dabei wollte er bloß … was eigentlich? … ach, ja … darauf hinweisen, wie bescheuert es ist, jeder Mode nachzulaufen.

(Apropos Mode – noch ein Wort zu Twitter. Neben der JvM-Schweinerei beliebtestes Thema: das nachmittags beim next10-Buffet verteilte KitKat. – Von Seiten des Veranstalters patschert? Definitiv ja – aber: wie mensch DAS ernsthaft diskutieren kann, erschließt sich nicht so ganz …)

Wired-Gründer Louis Rossetto

Und ad “evil”: Facebook ist bei allen Anwesenden beliebt. Noch. Auf den Notebooks überall geöffnet, hört man in den Gesprächen deutlich Gewitterwolken aufziehen. Stichworte: Verwertung persönlicher Daten und des sozialen Graphs, Wissen aus Fansites, das nicht mit den Unternehmen geteilt wird, ganz generelles Misstrauen. Die Sympathie gehört Foursquare.-  Oder Schokolade, wie Wired-Magazine-Gründer Louis Rossetto hofft. Er stellt sein Projekt Tcho vor und lässt das Auditorium das “Red Bull der Götter” (O-Ton) kosten. Seine Message: Gamechanging funktioniert auch in der “echten” Welt.

Tariq Krim (Jolicloud)

Beinahe 50 Programmpunkte in zwei parallelen Serien und mehreren Workshops (Aufzeichnungen auf Zaplive.tv: Track 1 und Track 2) lassen den “vollständigen” Besuch der next Conference nur ansatzweise zu. Spannend ist fast alles, Best Practice sowieso. Tenor hier: die Idee steht im Zentrum, nicht die Technologie. Und die klassischen Medien haben noch lange nicht ausgedient, nur einen neuen Stellenwert bekommen.

11. Mai 2010, 18.30 Uhr. Itay Dalgam analysiert in seiner wunderbaren Keynote Führungsstrategien berühmter Dirigenten. Das offizielle Programm endet mit Leonhard Bernsteins Brauenzucken.

e.d.



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